Die Südostschweiz; 20.08.2011 [Aus einem Interview mit David Sieber]

Konrad Hummler: «Diese Krise ist der Triumph des Marktes»

Sie sind seit April Verwaltungsratspräsident der NZZ. Zuvor haben Sie sich unter anderem für das rechtsbürgerliche Kampfblatt «Trumpf Buur» der Aktion für freie Meinungsbildung engagiert. Ist das ein Omen für die NZZ?
Nein, überhaupt nicht. Ich habe zusammen mit Peter Weigelt Anfang der Neunzigerjahre die Kontrolle des «Trumpf Buur» übernommen, um sicherzustellen, dass dieser für den EWR-Beitritt plädiert. Man tut mir Unrecht, wenn man mich in die rechtsbürgerliche Ecke abschiebt. Ich wollte sicherstellen, dass der Rechtsfreisinn die gemässigte Europapolitik vertritt. Ohne Rückenschuss des Bundesrates, der im dümmsten Moment das EU-Beitrittsgesuch stellte, hätten wir das auch geschafft. Seither ist es schwierig.

Was wollen Sie mit der NZZ?
Die Schweiz braucht die NZZ für die nationale Meinungsbildung, wie es die Regionalzeitungen für die dezentrale Meinungsbildung braucht. Es reicht aber nicht, wenn die NZZ zum Pflichtstoff aller am Wohlergehen der Schweiz interessierten Kreise gehört. Zumindest im deutschsprachigen Europa soll die NZZ Meinungen bilden. Gerade in der Eurokrise hat sich gezeigt, dass wir hier unbelasteter und objektiver berichten können.

In Medienkreisen geistert die These herum, dass Sie zusammen mit Financier Tito Tettamanti und Christoph Blocher an einer rechtsbürgerlichen Unterwanderung der Schweizer Medien arbeiten.
Das ist völliger Blödsinn. So etwas widerspricht meinem tiefsten Wesen. Ich habe einen absoluten Drang nach Unabhängigkeit. Ich würde mich nie für Projekte hergeben, die das Gegenteil im Sinn haben. Deshalb sehe ich es auch als meine wichtigste Aufgabe als Verwaltungsratspräsident an, die Unabhängigkeit der NZZ zu gewährleisten.

Braucht es staatliche Fördermassnahmen, um die Unabhängigkeit der Medien zu gewährleisten?
Das wäre der Anfang vom Ende.


St. Galler Tagblatt; 08.06.2011

Missionare hier und dort

In Basel haben sie dicke Luft. Die Aktion «Rettet Basel» fordert ehemalige, ungefragt mit Probeabos beglückte Abonnenten der «Basler Zeitung» auf, sich beim Besitzer Moritz Suter zu melden und ihm kundzutun, dass man «eine Zeitung mit einem missionierenden Chefredaktor» nicht schätze. Wo Chefredaktor Markus Somm herkommt, von der «Weltwoche», da hat das Missionarswesen allerdings Konjunktur. Zum Beispiel in Gestalt von Urs Paul Engeler, dem «Weltwoche»-Standbein im Bundeshaus. Dass er gerade eine Rüge des Presserats wegen etwas vorschneller Anschuldigungen gegenüber der Gerichtskommission der Vereinigten Bundesversammlung kassiert hat, das wird den Unermüdlichen nicht beeindrucken. Hauptsache missionarisch. (R.A.)


Neue Zeitung

Medienecho zur Mitteilung vom 14. April 2011

Links zu verschiedenen Artikeln, die online einzusehen sind:
www.kleinreport.chTages-Anzeiger20 MinutenWerbewocheNZZ OnlineBlick  +  Neuere Artikel ev. bei Google...


Basel erhält auf Jahresende eine neue Zeitung

Die Region Basel erhält auf Jahresende eine Wochenzeitung und OnlineReports eine neue Konkurrenz. Finanziert wird das Print/Online-Projekt durch die Mäzenin Beatrice Oeri.

Basel, 14. April 2011. Die Region Basel soll auf Ende dieses Jahres mehr Medienvielfalt erhalten: Als Alternative zur "Basler Zeitung" wird eine Wochenzeitung erscheinen und gleichzeitig eine Online-Plattform. Geplant ist eine 30-köpfige Redaktion, die von Urs Buess, bis vor wenigen Tagen stellvertretender Chefredaktor der "Basler Zeitung", und Remo Leupin, Redaktionsleiter "Beobachter Natur" und Mitglied der "Beobachter"-Chefredaktion, geleitet wird. Weitere 12 Personen sollen im Verlag und im kommerziellen Bereich beschäftigt werden.
arrowWeiter lesen auf www.onlinereports.ch – Dort kann man auch Audio-Statements hören...


Verein für unabhängige Medien in Basel

Pressemitteilung Donnerstag, 14. April 2011

Es tut sich was in der Medienlandschaft der Nordwestschweiz. Die BaZ bleibt nicht mehr Platzhirsch in einer Region, die aufgrund ihrer politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Potenz eine der bedeutendsten der Schweiz ist. Und auch die Monopolisierung zugunsten eines rechtspopulistischen Einheitsbreis verspricht endlich aufzubrechen.
Noch ist nicht allzu vieles bekannt. Aber es steht fest, dass Bewegung in eine Situation kommt, die in den letzten Monaten doch eher statisch erschien und den Verfechterinnen und Verfechtern einer offenen Presselandschaft wenig Hoffnung offen liess. Ein neues Projekt ist im Endspurt, das zumindest die berechtigte Erwartung zulässt, dass die Region Basel nicht in einem medialen «Einheitsbrei» rechtsbürgerlicher Dominanz untergeht.

Mit den ausgewiesenen Journalisten Urs Buess und Remo Leupin übernehmen zwei Personen die Leitung dieser Publikation, die in der Nordwestschweiz verwurzelt und ihr dadurch auch verpflichtet sind. Das allein lässt hoffen.

Selbstverständlich unterstützen wir diese Entwicklung. Allerdings bleibt unser wachsames Auge offen. Denn wir sind uns nach wie vor bewusst, welche Erleichterung durch die breite Öffentlichkeit ging, als Lokalmatador Moritz Suter die BaZ «kaufte». Inzwischen darf als gesichert gelten, dass er lediglich der Strohmann für eine Strategie ist, die die gesamte schweizerische Medienlandschaft auf einen rechtslastigen Einheitskurs zu bringen versucht. Dass er bis zum heutigen Tag nicht bereit war, die wahren Besitzverhältnisse offen zu legen, scheint für ihn nun zum schon lange angekündigten Bumerang zu werden.

Wir von VERUM freuen uns grundsätzlich über diese Entwicklung. Denn sie scheint zu versprechen, dass in Basel wieder eine Stimme laut wird, die sich der publizistischen Breite verpflichtet fühlt und nicht einer politischen «Einbahnstrasse» nach rechts.

Es ist auch durchaus begrüssenswert, dass man jetzt nicht den Anspruch erhebt, täglich auf der Strasse und im Kiosk präsent zu sein. Das erlaubt die aktuelle Wirtschaftslage nicht. Zudem läuft die mediale Szene je länger je mehr über Internet. Daher ist es richtig, sich dieser Herausforderung zu stellen. Sie kann Fluch sein. Doch tendenziell bewegt sich dieses Unternehmen durchaus auf zukunftsträchtigen Wegen.