Unsere Kundgebung vom 17. Dezember 2011 in Basel

Der Aufruf zur Kundgebung wurde unterstützt von: Grüne BS, SP BS, SP BL, BastA!, JUSOS BS, Grüne Fricktal, Junges Grünes Bündnis Nordwest, Kunst+Politik

Es sprachen:

Beat Jans (Nationalrat), Georg Kreis (Historiker), Elisabeth Ackermann (Grossrätin), Rudolf Rechsteiner (Alt-Nationalrat), Stefan Boss (ehemaliger BaZ-Redaktor), Linda Stibler (Journalistin), Regina Rahmen (Syndicom), Guy Krneta (Autor), Urs Müller (Grossrat), Ueli Mäder (Soziologe).
Es moderierte Alfred Schlienger (Kulturjournalist); es spielte das Trio Infernale


Redetexte

Georg Kreis, Historiker

Das ehemalige Monopolblatt hat bis vor kurzem in Basel eine Sonderstellung gehabt, fast wie der Zolli, der FCB oder s’Theater. Darum ist es auch speziell wichtig gewesen, wem die Zeitung gehört hat.

Seither hat sich die Situation geändert, hat sich auch verbessert: die Leser/innen können wieder vermehrt zwischen unterschiedlichen Angeboten aussuchen. Es ist eine traurige aber auch eine temporär naheliegende Einsicht: Niemand muss die BaZ lesen!

Allerdings ist es selbst bei der Rest-BaZ nicht egal, wer bei ihr über die Finanzen das Sagen hat.  Platzhalter ist noch immer der Blocher-Intimus Somm. Dem seine rechtsnationale Kommentare und  seine unliberale Personalpolitik sind dem Helden von Herrliberg offenbar noch immer Mio. von Risiko- oder Defizit-Franken Wert. Wenn sich der Mäzen Blocher in Basel als Wohltäter engagieren will, soll er doch lieber im Zolli ein Pinguin-Resort oder die Rheinhafen-Überbauung finanzieren.

Es ist einer Demokratie unwürdig, fast möchte man sagen, es sei unschweizerisch, dass ein doch weiterhin einflussreiches Blatt über ein Jahr von einem Dunkelmann beherrscht worden ist, der gerade in dieser Angelegenheit die Öffentlichkeit mehrfach angelogen hat.

Und jetzt kommt noch hinzu:  Dieser Mann, der in der 2. Weltkrieg-Debatte gegen Juden pauschal hergezogen ist, schreckt nicht davor zurück, in mehrfach beleidigender Weise zu erklären, er werde von Baslern wie ein Opfer der Judenverfolgungen behandelt.

Jetzt ist ein neues Gruselkabinett aufgestellt worden, das wie bei George Orwell ausgerechnet unter dem Namen „Medienvielfalt“ eine antiliberale Publizistik finanziert. Das Trauerstück gibt uns aber Gelegenheit, sich weiter zu emanzipieren, d.h. autonom zu bestimmen, welche Mediennahrung man zu sich nehmen will.


Guy Krneta, Schriftsteller

Liebi Aawäsendi

Sit anderthaub Jahr wärde mr vom Chrischtoph Blocher u syne immer wider nöi uftouchende Schtrohmannen u syne immer wider blybende Schtatthauter bschissen u beloge. Zum dritte Mau wird en Eigentümerschaft konschtruiert, wo itz immerhin so transparänt isch, dass klar isch, dass dr Chrischtoph Blocher aui Vrlüscht treit. Aui di Finanzchöpf u Basler Schtatischte trage kes Risiko u chöi em Blocher trotzdäm e Liebesdienscht erwyse. Di Vrantwortleche rütschen immer wyter wägg. D Pressekomferänz für di nöii Konschtrukzion fingt z Züri schtatt. Dr Firmesitz vor Holding isch z Zug. Dr Tettamanti cha syni Interviews im Tessin gäh. U dr Filippo Leutenegger, wo scho mau es Ungernäme zrleit het, cha sech druf userede, dass’r numen en Uftrag tüeg usfüere. En Uftrag vom Tettamanti. Wo synersyts cha ufe Leutenegger vrwyse. U dä wider ufe Tettamanti. U das aus nume für nid müesse klar z säge, dass dr Chrischtoph Blocher das Ungernäme Basler Zytig Medie, wo hunderti vo Arbeitsplätz drann hange, us ideologische Gründ kouft het. Für chönne no besser Schtimmig z machen ir ganze Schwyz. Dä glych Chrischtoph Blocher, wo win e Schueubueb da schteit mit abgschnittnige Hosen u vrzeut, es heig ne niemer gfragt nach syre Tochter.

U wider chöme si mit den aute Begriffe. Wird vore Forumszytig gschwaflet. Vore Zytig, wo söu unabhängig blybe. Unabhängig vo was? Vo au dene Medie, wo nid abhängig sy vom Chrischtoph Blocher. Während dr Chrischtoph Blocher aui die Medie, won’r abschtrytet, finanziell ane beteiliget z sy - weder diräkt no indiräkt, höchschtens über ne Tochter - ire nöie Holding zämefüert. Won’r säubvrschtändlech wider nid beteiliget isch. U säubvrschtändlech mischt’r sech o nid i ds Tagesgschäft y, für das garantiert dr Schtatthauter. Dr einzig, wo geng wider blybt, während d Schtrohmanne gwächslet wärde wi dräckigi Ungerhose.

Mir müesse bi au däm nid mitmache. Mir chöin is wehre. U das mache mr. Mir leischte Widerschtand. Mir boykottiere. Sit emne Jahr. Es isch ungloublech, was aus gwachsen isch i däm Jahr us eren eigentlech schpontanen Akzion. Das riisige Netz. Aui di Hunderte vo Mails u Abo-Kündigungsbriefe, wo mr überchöme, won e Witz un e Schprach hei, da cha di ganzi Blocher-Tettamanti-Somm-Truppen ypacke. U das wird si. Mir mache wyter. Mir blybe drann. I danke nech härzlech.


Beat Jans, Nationalrat

Liebe Leute, es ist schön dass wir so viele sind.

Die Basler Zeitung ist keine Basler Zeitung mehr, sondern ein politisches Projekt von Zürchern.

Blocher, Somm und neuerdings Leutenegger. Der neuste unter den Zürcher Politikern, der die BaZ dirigieren will, heisst Filippo Leutenegger. Er war im Unterstützungskomitee von Ständeratskandidat Blocher und hat gestern im Radio gefragt.: "Ja wäre es denn besser, wenn die BaZ durch einen Zürcher Verlag gekauft würde?"

Danke, liebe Zürcher. Es ist schön, dass ihr uns vor euch selber retten wollt.

Die Antwort auf diese Frage lautet übrigens "Ja". Es ist immer noch besser, die BaZ ist in den Händen von Zürcher Verlegern als in den Händen von Zürcher Politikern.

Wir wollen keine SVP-Zeitung. Wir wollen für SVP-Werbung nicht bezahlen müssen.

Hört auf unsere Zeitung kaputt zu machen,  hört auf die Leser mit euren politischen Botschaften zu beleidigen und zu vertreiben. Hört auf uns zu missionieren, und hört auf uns auf uns anzulügen

Christoph Blocher hat gestern in der NZZ zugegeben, dass er sich in Bezug auf die BaZ schon ein bisschen schlitzohrig benommen hat. Nein, Herr Blocher, es ist mehr als schlitzohrig. Es ist ein grober Angriff auf die Demokratie, wenn sie als Politiker die politische Berichterstattung verdeckt steuern. Es verletzt den demokratischen Anstand grundlegend. Es ist kein Kavaliersdelikt sondern ein Rücktrittsgrund. Sie haben nichts mehr im Nationalrat zu suchen, Herr Blocher!

Wenn die Bevölkerung nicht weiss, wer die Medien kontrolliert, dann ist die Demokratie in Gefahr.

Den neuen alten Besitzern, die mit Blochers Verlustgarantie agieren, geht es genau so wenig um das Wohl der BaZ oder gar das Wohl Basels. Ihnen geht es um die Verbreitung ihrer politischen Ansichten. Sonst hätten sie Markus Somm schon lange entlassen. Kein Unternehmen hält einen Chef, der seine Kundschaft permanent beleidigt.

Danke, dass ihr gekommen seid. Danke "Rettet Basel" fürs Organisieren und euer Engagement. Das ist ein wichtiger Kampf.


Elisabeth Ackermann (Grossrätin)

Wie Ihr wohl alle auch, bin ich als politisch und kulturell interessierter und aktiver Mensch auf eine regionale Tageszeitung angewiesen. Ich muss und will lesen können, wo in Basel was geschehen ist, wer, was, wann und wieso gesagt oder getan hat, wo eine Veranstaltung oder ein Konzert stattfindet.
In Basel hat die BaZ leider als Tageszeitung nach wie vor praktisch eine Monopolstellung. Ich muss sie lesen, ob ich will oder nicht und so geht es – glaube ich – sehr vielen hier in Basel.
Was hat sich eigentlich in der in letzter Zeit BaZ geändert?
Es schreiben ja weiterhin Leute mit sehr unterschiedlichen Meinungen in der Zeitung. Trotzdem ändert sich der Tonfall im redaktionellen Teil so langsam, aber sicher - von den Leitartikeln des Chefredaktors gar nicht zu sprechen. Für mich als grüne Politikerin ist es – neben anderem - besonders schlimm zu sehen, wie Umweltthemen in der BaZ zum Teil nicht mehr vorkommen, klein- oder gar ganz weggeredet werden - bis hin zu Artikeln über die sogenannte Klimalüge.

Seit anderthalb Jahren wissen wir nicht genau,  wem die BaZ gehört.
Und wir wissen vor allem nicht, was diese Herren und evtl. Damen mit der BaZ vorhaben. Klar war von Anfang an, dass der Kauf der BaZ kein wirtschaftliches sondern ein politisches Projekt war und ist.
Aber was ist das Ziel? Ist es das Ziel, die Politik in Basel zu beeinflussen und die SVP auch hier zu stärken? Oder ist es das Ziel, aus der BaZ eine rechte Tageszeitung für die ganze Schweiz zu machen?
Vieles deutet auf die zweite Möglichkeit hin. Die Analogien zur Weltwoche sind sehr gross: Es sind genau dieselben Personen mit dabei. Die finanziellen Verhältnisse sind auch bei der Weltwoche immer noch im Ungewissen – auf eine sehr ähnliche Weise wie bei der BaZ.
In beiden Fällen verliert Basel eine ernst zu nehmende Tageszeitung.
Dies wäre für alle politischen Kräfte in Basel ausserhalb der SVP ein riesiges Problem.

Basel muss nun zusammenstehen, Transparenz verlangen und für eine gute, politisch unabhängige Tageszeitung kämpfen!Wie Ihr wohl alle auch, bin ich als politisch und kulturell interessierter und aktiver Mensch auf eine regionale Tageszeitung angewiesen. Ich muss und will lesen können, wo in Basel was geschehen ist, wer, was, wann und wieso gesagt oder getan hat, wo eine Veranstaltung oder ein Konzert stattfindet.

In Basel hat die BaZ leider als Tageszeitung nach wie vor praktisch eine Monopolstellung. Ich muss sie lesen, ob ich will oder nicht und so geht es – glaube ich – sehr vielen hier in Basel.

Was hat sich eigentlich in der in letzter Zeit BaZ geändert?

Es schreiben ja weiterhin Leute mit sehr unterschiedlichen Meinungen in der Zeitung. Trotzdem ändert sich der Tonfall im redaktionellen Teil so langsam, aber sicher - von den Leitartikeln des Chefredaktors gar nicht zu sprechen. Für mich als grüne Politikerin ist es – neben anderem - besonders schlimm zu sehen, wie Umweltthemen in der BaZ zum Teil nicht mehr vorkommen, klein- oder gar ganz weggeredet werden - bis hin zu Artikeln über die sogenannte Klimalüge.

Seit anderthalb Jahren wissen wir nicht genau,  wem die BaZ gehört.

Und wir wissen vor allem nicht, was diese Herren und evtl. Damen mit der BaZ vorhaben. Klar war von Anfang an, dass der Kauf der BaZ kein wirtschaftliches sondern ein politisches Projekt war und ist.

Aber was ist das Ziel? Ist es das Ziel, die Politik in Basel zu beeinflussen und die SVP auch hier zu stärken? Oder ist es das Ziel, aus der BaZ eine rechte Tageszeitung für die ganze Schweiz zu machen?

Vieles deutet auf die zweite Möglichkeit hin. Die Analogien zur Weltwoche sind sehr gross: Es sind genau dieselben Personen mit dabei. Die finanziellen Verhältnisse sind auch bei der Weltwoche immer noch im Ungewissen – auf eine sehr ähnliche Weise wie bei der BaZ.

In beiden Fällen verliert Basel eine ernst zu nehmende Tageszeitung.

Dies wäre für alle politischen Kräfte in Basel ausserhalb der SVP ein riesiges Problem.

 

Basel muss nun zusammenstehen, Transparenz verlangen und für eine gute, politisch unabhängige Tageszeitung kämpfen!


Urs Müller (Grossrat)

NB: Vor dem Vorlesen des nachfolgenden Briefes erinnerte ich an die geplante Demo vom 20. Oktober 2010 als Tettamanti bei der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft der UNI reden wollte und dann wegen der bösen BaslerInnen den …. einzog.

Montag, 22. November 2010– Offener Brief an Tito Tettamanti
Sehr geehrter Herr Tettamanti
Schon als Sie zusammen mit Martin Wagner die Basler Zeitung gekauft haben, befürchteten wir eine journalistische Neuausrichtung der BaZ hin zu einem rechtsbürgerlichen Meinungsjournalismus. Früher als erwartet wurden unsere Befürchtungen bestätigt. Mit der Ernennung von Markus Somm zum neuen Chefredaktor haben Sie deutlich gemacht, dass Sie nicht gedenken, vornehm im Hintergrund zu stehen, sondern direkten Einfluss auf die redaktionelle Arbeit auszuüben, ganz nach dem Motto: Wer zahlt, befiehlt. Das Szenario kennen wir ja schon von der Weltwoche her. Und jetzt noch dies: Ausgerechnet eine Beratungsfirma, in der Christoph Blocher das Sagen hat, soll die Basler Zeitung durchleuchten und neu strukturieren. Dass es dabei nur um betriebswirtschaftliche Aspekte geht, ist spätestens seit den jüngsten Enthüllungen der NZZ am Sonntag widerlegt, wonach Christoph Blocher schon seit der Übernahme der BaZ durch das Duo Tettamanti/Wagner ein Beratungsmandat inne hat.
Für die Region Nordwestschweiz ist diese Entwicklung besorgniserregend. Den Tageszeitungen kommt in der Demokratie eine wichtige Rolle zu. Sie sollten durch unabhängige und sachliche Berichterstattung die Meinungsbildung der Bevölkerung ermöglichen und fördern. Das ist mit der inhaltlichen Neuausrichtung der BaZ nicht mehr gegeben. Rechtspopulistischer Journalismus trägt nicht zur Meinungsbildung bei, sondern schürt diffuse Ängste und stiftet Verwirrung. Die Menschen werden als unmündige Wesen behandelt, die man nach Belieben manipulieren kann. Wenn unsere direkte Demokratie mehr und mehr zur Farce wird, sind Sie, Herr Tettamanti, dafür mitverantwortlich!
Mit freundlichen Grüssen
Im Namen von BastA!: Karin Haeberli – Urs Müller – Martin Flückiger