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Newsletter 54 — 14. November 2018

Liebe Unterstützerin, lieber Unterstützer

Mit dem Medienfest im Sommer wollten wir unsere Aktion «Rettet Basel» nach acht Jahren beenden. Blocher und seine Entourage werden den Medienplatz Basel in absehbarer Zeit verlassen haben. Und auch wenn Markus Somm regelmässig für die «SonntagsZeitung» schreibt und ihn der neue BaZ-Chefredaktor deswegen abfeiert, wird unser Aufruf von 2010 der neuen Mediensituation nicht mehr gerecht. Am Ende unserer Aktion sollte das beim Medienfest verabschiedete Manifest stehen, welches den Medienwandel grundsätzlicher betrachtet.

Wir ahnten damals nicht, dass die eingeladenen Chefredaktoren bereits fünf Monate später alle weg sein würden und ein ganzes Medium über Nacht verschwindet.

DAS ENDE DER TAGESWOCHE

Das abrupte Ende der TagesWoche in dieser Form ist für uns höchst befremdlich. Wir erwarteten ein neues Konzept, mit dem die TagesWoche trotz knapperer Mittel auf die neue Mediensituation reagiert. Dass eine Zeitung, bei der rund zwei Drittel der bisherigen Unterstützung wegfallen, nicht einfach weitere Sparmassnahmen beschliesst, ist nachvollziehbar. Sie braucht ein anderes Betriebsmodell, muss Kooperationen eingehen, neue Finanzquellen erschliessen, womöglich sogar einen politischen Prozess in Gang setzen. Denn Zeitungen kosten. Und sie erfüllen eine Funktion, die für die Meinungs- und Bewusstseinsbildung zentral ist. Dafür müssen wir Leserinnen und Leser, wir Bürgerinnen und Bürger, wir Öffentlichkeit früher oder später aufkommen, wenn die bisherigen Finanzierungsmodelle aussetzen.

Statt eines neuen Modells verkündete nun der Verwaltungsrat der Neuen Medien Basel AG vergangene Woche die Liquidation seines Unternehmens und die Einstellung der Online-/Wochenzeitung TagesWoche. Und dies, obwohl kurz vorher noch Abo-Rechnungen verschickt worden waren und eine grosse Plakat-Kampagne startete.

KANN ETWAS, DAS AUS EINER BREITEN ÖFFENTLICHEN DISKUSSION ENTSTANDEN IST, DISKUSSIONSLOS ABGEWICKELT WERDEN?

Die TagesWoche, Sie erinnern sich, war kein Startup von Verwaltungsräten und Journalistinnen. Sie entstand in Folge unseres Aufrufs «Rettet Basel». Dieser hatte bewusst gemacht, wie sehr Basel eine journalistische Alternative zur damaligen BaZ brauchte. Noch ehe die erste Ausgabe der TagesWoche erschienen war, hatten schon tausende Unterstützerinnen und Unterstützer ein Abo gelöst. Mit so viel öffentlicher Erwartung ist bis dahin kein journalistisches Projekt gestartet – erst die «Republik» toppte die Ausgangslage.

In Basel hatten eine breite Öffentlichkeit und eine grosszügige Finanzierung zusammengefunden. Das war die Zündung. Wie kann etwas, das aus einer breiten öffentlichen Diskussion entstanden ist, nun ohne öffentliche Diskussion abgewickelt werden? Wem gehört die TagesWoche?

BASEL BRAUCHT EINE UNABHÄNGIGE STIMME

Die Mediensituation im Vergleich zu 2010 hat sich geändert (Beitrag im Regionaljournal). Basel verfügt mit der BaZ und der bz Basel über zwei Regionalredaktionen, die eingebettet sind in deutschschweizweite Mantelblätter. Diese haben ihre Zentren in Zürich und Aarau (oder bald auch Zürich). Die TagesWoche war die einzige journalistische Stimme aus der Region Basel, die überregional wahrgenommen wurde, hinter der eine mehrköpfige professionell honorierte Redaktion stand. Und gerade in den letzten Monaten schien sie journalistisch aufzublühen, setzte mit ihren Beiträgen Themen über Basel hinaus.

Im Brief an die Abonnentinnen und Abonnenten der bisherigen TagesWoche sowie in Interviews stellt die Geschäftsleitung vage ein neues Print-Produkt in Aussicht. Ja, sie suggeriert sogar, man könne sein Abo auf ein nächstes Produkt übertragen. Doch worum es sich dabei handelt, ist nicht zu erfahren. Etliche Fragen stellen sich gleich: Warum Print, wenn doch in Basel künftig die Online-Plattform fehlt (weder BaZ noch bz Basel haben eigenständige Online-Auftritte)? Wie kann von «Nachfolge» die Rede sein, wenn das Unternehmen liquidiert wird? Bei einem Geschäft, das liquidiert wird, gibt es eben gerade keine Nachfolge, sondern höchstens ein neues Geschäft. Und was haben die Kundenbeziehung eines allfälligen neuen Geschäfts mit den Kundenbeziehungen des liquidierten Geschäfts zu tun?

Kurz: Warum wird eine bestehende Struktur aufgelöst und nicht überführt in eine andere? Warum wird eine mehrhundert­tausendfränkige Software verschrottet? Ganz abgesehen von der Frage, wie denn ohne Software die siebenjährige journalistische Arbeit der TagesWoche archiviert werden soll.

WERDEN WIR AKTIONÄRINNEN UND AKTIONÄRE

Die Neue Medien Basel AG hat ein Problem: Sie ist zwar eine Aktiengesellschaft, aber das ganze Aktionariat befindet sich in der Hand der Stiftung für Medienvielfalt. Das erschwert Kooperationen und verhindert, andere Geldmittel für die TagesWoche generieren zu können. Wir meinen, das Problem lässt sich lösen, ohne dass die AG deswegen liquidiert werden muss. Das Aktionariat muss bloss breit und vinkuliert (so dass keine grossen Aktienpakete entstehen) verteilt werden.

Wir schlagen folgendes vor: Wir, liebe Unterstützerinnen und Unterstützer, übernehmen gemeinsam das Aktionariat der Neuen Medien Basel AG. Wir übernehmen den Auftrag, mit einer limitierten wiederkehrenden Unterstützung eine unabhängige journalistische Online-Plattform in Basel und über Basel hinaus zu betreiben.

Unterzeichnen Sie unseren Offenen Brief an die Stiftung für Medienvielfalt und helfen Sie mit, die Medienvielfalt in Basel zu erhalten und die Medienzukunft weiter zu denken. Schaffen wir gemeinsam das, was eigentlich schon ganz am Anfang der TagesWoche hätte stehen müssen: Ein unabhängiges journalistisches Medium, das von einer breiten Basis getragen und gelesen wird.

Mit herzlichen Grüssen

RETTET BASEL

Bernhard Bonjour, Rudolf Bussmann, Mathias Knauer, Guy Krneta, Alfred Schlienger und Felix Schneider

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OFFENER BRIEF
AN DIE STIFTUNG FÜR MEDIENVIELFALT

Sehr geehrte Damen und Herren des Stiftungsrats
Sehr geehrter Herr Miescher, sehr geehrter Herr Leonhardt, sehr geehrter Herr Ryhiner, sehr geehrte Frau de Weck

Die TagesWoche sowie auch die Stiftung für Medienvielfalt sind vor gut sieben Jahren aus der öffentlichen Diskussion rund um den Aufruf von «Rettet Basel» entstanden. Achtzehntausend Menschen waren sich einig, dass die Medienöffentlichkeit nicht rechts-nationalistischen Investoren überlassen werden darf. Dass Basel Medienvielfalt, Alternativen, eigenständige Stimmen braucht, die nicht aus Herrliberg ferngesteuert werden.

Die rechts-nationalistischen Investoren haben sich vorerst teilweise vom Medienplatz Basel zurückgezogen. Doch mit dem Verschwinden der TagesWoche schrumpft die Medienvielfalt auf dem Platz massiv. Basel wird seiner einzigen überregional wahrnehmbaren Stimme beraubt.

Dass die Stiftung für Medienvielfalt die Zuschüsse an die TagesWoche in Zukunft begrenzen möchte, um als Stiftung weiter bestehen und auch andere Projekte unterstützen zu können, ist verständlich. Wir meinen aber, dass mit einer begrenzten wiederkehrenden Unterstützung, ergänzend zu anderen Finanzquellen, eine politisch und kulturell relevante Medienplattform in Basel und über Basel hinaus betrieben werden kann.

Wir möchten das neue Aktionariat der Neuen Medien Basel AG werden und die technische Infrastruktur der Online-Zeitung TagesWoche übernehmen. Wir würden uns freuen, wenn Sie uns Unterzeichnenden einen Vorschlag machen würden für einen symbolischen Kaufpreis.

Unser Ziel ist es, vinkulierte Aktien breit zu streuen sowie transparente und demokratische Entscheidungsstrukturen aufzubauen. Wir möchten einen unabhängigen, prägnanten Journalismus in Basel ermöglichen, der sich an den Richtlinien des Presserats orientiert und von öffentlichem Interesse ist.

Die Kerngruppe von «Rettet Basel» wäre bereit, einen allfälligen Kauf, den Übergang zu einem breiten Aktionariat und die Einsetzung eines neuen Verwaltungsrats zu gestalten. Das wäre ein erster Schritt. Als Grundlage für eine weitere Unterstützung durch die Stiftung für Medienvielfalt würde ein neues Betriebskonzept ausgearbeitet werden, das zusätzliche Kooperationen und eine breitere Finanzierung vorsieht.

Basel braucht eine unabhängige mediale Stimme, Basel braucht eine eigenständige journalistische Online-Plattform. Wir sind bereit, als allfällige Aktionärinnen und Aktionäre die Verantwortung dafür zu übernehmen.

Mit freundlichen Grüssen

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Mit herzlichen Grüssen
RETTET-BASEL!

Bernhard Bonjour, Rudolf Bussmann, Mathias Knauer, Guy Krneta, Alfred Schlienger und Felix Schneider